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Antarktis - Eine Reise zum Ende der Welt

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Von Hans-Gerhard Pfaff

Jahrhundertelang machten sich Schiffe auf die Suche nach der Antarktis, der Terra Australis Inkognita, aber erst 1885 betrat der norwegische Walfänger Carsten Borchgrevink als erster Mensch das kontinentale Festland, ganz unten auf unserer Erdkugel.
Er erbrachte den Beweis: Anders als das schwimmende Eis im Norden ist die Antarktis ein von Menschen unbewohnter Kontinent. Um 1900 begann schließlich das Goldene Zeitalter der Antarktisforschung mit spektakulären Expeditionen, tödlichen Tragödien und dem Wettlauf zum Südpol, den letztendlich der Norweger Roald Amundsen am 14. Dezember 1911 für sich entschied.
Es kam aber nie zum Landbesitz, noch heute ist – zum Glück – die Antarktis politisches Niemandsland.
Die Entdeckung des sechsten Kontinents ist von bewegenden Lebensgeschichten und heroischen Wagnissen geprägt. Im Jahre 1772 ahnt James Cook noch nicht, als er Richtung Südpol segelt, dass er der erste Wegbereiter für Expeditionen in die Antarktis sein würde. Die Suche nach dem Südland, und damit die Vorstellung von einem warmen Kontinent, findet im Jahre 1820 ein eisiges Ende, als der russische Offizier Thaddeus von Bellingshausen erstmals Terra incognita erblickt. Etwa 100 Jahre später liefern sich der norwegische Polarforscher Roald Amundsen und der Brite Robert Falcon Scott einen Wettlauf. Nachdem der Norweger 1911 als Erster den Südpol erreicht hat, will Scotts Landsmann Ernest Shackleton durch eine Antarktis-Durchquerung die Ehre der Briten wiederherstellen. Sein Schiff "Endurance" friert im Eis ein. Nur dank seiner legendären Rettungsaktion werden die eingeschlossenen Expeditionsteilnehmer befreit. Die vielen Versuche der Entdeckung und Erforschung füllen mittlerweile Bibliotheken voller Geschichtsbücher und Fachliteratur. Und trotzdem - oder vielleicht gerade deshalb - wirkt dieser Kontinent der Superlative so anziehend auf Abenteuersuchende und Forscher. Etwa 89 % der gesamten Eismassen unserer Erde befinden sich dort. Mit durchschnittlich 2.250 m ist er der höchste Erdteil, dazu der trockenste und der kälteste.
Mittlerweile sind es über 30 Nationen, die über 80 Forschungsstationen betreiben. Die teilweise ganzjährig unter den härtesten Bedingungen ihre Forschungsprojekte betreiben. So Wissen wir nun, dass die Antarktis 13,2 Millionen Quadratkilometer gross ist, dass die Eisschicht stellenweise fast fünf Kilometer dick und so schwer, dass sie den darunterliegenden Boden unter den Meeresspiegel drückt. Mit Minus 93,3 Grad Celsius wurde hier auch der kälteste Punkt der Erde gemessen.
Über zweieinhalb Tage ist man mit dem Schiff von Südamerika unterwegs, bis man die ersten Tafeleisberge sieht, die durch aus über zehn Kilometer lang sein können. Hinzu kommt noch eine beeindruckende Tierwelt, die sich den Besuchern in riesigen Kolonien offenbart.
Pinguinkolonien mit Tausenden von Brutpaaren, Beute schlagende Seeleoparden, behäbige Seeelefanten, freche und gefräßige Skuas, Albatrosse, die im Wind durch die Lüfte schweben und nicht zuletzt, die Buckelwale, die mit riesigen Sprüngen die Besucher in Staunen versetzen. Eine fast ausserirdische Landschaft des ewigen Eises, die alljährlich von einer kleinen Schar, zum Teil gut betuchter Menschen, besucht wird.

Unser Ziel war der rund 1500 Kilometer lange und bis 300 Kilometer breite Zipfel der Antarktischen Halbinsel, der wärmste Teil des Kontinents. Während des Südsommer kann es hier auch mal drei Grad Celsius warm werden und sogar regnen. Kein Wunder, dass hier die meisten Tiere brüten und ihre Jungen aufziehen. Brutkolonien mit Adélie-, Zügel- und Eselspinguinen explodieren vor Leben, überall sind die possierlich anmutenden und flugunfähigen Vögel mit lautem Rufen und Geschnatter unterwegs. Doch diese Idyllle ist durch den Klimawandel gefährdet. Lange haben Forscher untersucht, wie Antarktische Seebären mit wärmeren Temperaturen am Südpol fertig werden. Eine neue Studie hat jetzt ergeben: Die Tiere hungern, sie finden nicht mehr genug Nahrung. Zwar hätten sich manche Weibchen an die Knappheit angepasst, könnten ihre Robustheit aber nicht an ihren Nachwuchs weitergeben. Die Population werde immer kleiner.
"Wir haben Antarktische Seebären untersucht, weil sie ein guter Indikator für den Zustand des Ozeans sind", erklärt Jaume Forcada vom British Antarctic Survey in Cambridge. Eine der wichtigsten Nahrungsquellen der Seebären ist Krill, und von dem gibt es immer weniger. Da auch Albatrosse, Pinguine und Wale Krill fressen, könnte der Zustand der Seebären auf die Auswirkungen der Erderwärmung auf eine Vielzahl von Arten hindeuten.
Über 31 Jahre hinweg, von 1982 bis 2012, erfassten Forcada und sein Kollege Joseph Hoffman von der Universität Bielefeld Daten von mehreren Tausend weiblichen Seebären auf der Insel Südgeorgien im Südatlantik. Sie verglichen sie mit Informationen über Wasser- und Lufttemperatur, Eismenge und der Verfügbarkeit von Antarktischem Krill, der in dem immer wärmer werdenden Oberflächenwasser im Südpolarmeer nicht mehr so gut gedeiht.
Das Ergebnis: In den vergangen 27 Jahren nahm die Zahl der sich fortpflanzenden Weibchen um etwa ein Viertel ab, berichten Forcada und Hoffmann im Fachmagazin „Nature“.
Hinzu kommt noch, dass die Weltbevölkerung stetig wächst und der Hunger nach Rohstoffen grenzenlos ist. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis der Streit um die Rohstoffe in der Antarktis beginnt. Desweiteren wollen die Staaten mit großen Fischerei-Industrien das Südpolarmeer mit seinen gigantischen Krill- und Fischschwärmen immer mehr ausbeuten. Dagegen wehrt sich die Gemeinschaft der Antarktisvertragsstaaten, die die Antarktis natürlich schützen will. Diese Umstände sind der Grund, warum ein Abkommen über das geplante größte Naturschutzgebiet der Erde noch nicht zustande gekommen ist. Hier können wir Touristen eine zentrale Rolle einnehmen, um die richtige Botschaft über die Unversehrtheit einer immer noch intakten Natur zu übermitteln und dafür zu sorgen, dass sie nicht geplündert und zerstört wird.
Eine besondere Aufgabe obliegt den Kreuzfahrtgesellschaften, die den Passagieren die Augen öffnet für die Schönheit und Einzigartigkeit der Natur – und sie schärft das Bewusstsein, dass die sensiblen Lebensräume geschützt werden müssen. Das gilt vor allem für die Polarregionen. Aus diesem Grund setzt sich Hapag-Lloyd Cruises für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur ein, unter anderem als Mitglied der International Association of Antarctica Tour Operators (IAATO) - ein freiwilliger Zusammenschluss von Antarktis-Reiseveranstaltern, um ökologisch nachhaltigen Tourismus zu fördern und dabei gleichzeitig von den Erfahrungen aller Mitglieder zu profitieren.

Unsere Reise beginnt mit einem ruhigen Seetag. Um 10:30 Uhr versammeln wir uns alle in der Explorer Lounge der MS Hanseatic, wo Kreuzfahrtdirektorin Ulrike Schleifenbaum die Reiseleitung und die Lektoren vorstellt. Im Anschluss gibt der Erste Offizier Dolph Jenckel uns eine fundierte Einweisung in die Anlandungen mit den Zodiacs, unseren speziellen Expeditionsschlauchbooten. Um 12:00 Uhr folgt ein erstes „Precap“ mit Expeditionsleiter Dr. Arne Kertelhein, der uns mit vielen schönen Fotos Appetit auf die kommenden Tage auf den Falklandinseln macht.
Nach dem Mittagessen bekommen wir von der Reiseleitung die obligatorischen Gummistiefel und rote Jacken ausgehändigt, die uns bei den kommenden nassen Anlandungen und Märschen
über die Schneefelder der Antarktis sicher gute Dienste leisten werden.
Nach einer adventlichen Kaffeestunde mit süßen Leckereien können wir gestärkt die Darwin Hall aufsuchen, wo uns Dr. Arne Kertelhein über Ursache und Verlauf des Falklandkrieges informiert. Nach wechselnden, ersten Siedlungsversuchen von Franzosen, Spaniern, Engländern und Argentiniern waren die Inseln seit 1833 fest in britischer Hand. Doch 1982 versuchte die in Bedrängnis geratene argentinische Militärjunta mit einer Blitzaktion die „Kolonialherrschaft“ zu
beenden. Mit großem militärischen Aufwand eroberten die Briten ihre Überseeprovinz jedoch innerhalb weniger Wochen zurück.
Am Abend lädt Kapitän Carsten Gerke zum Willkommenscocktail, wobei er mit uns auf eine erfolgreiche Reise anstößt und die wichtigsten Mitarbeiter des Schiffes vorstellt. Anschließend serviert Chefkoch André Rühlow das festliche Welcome-Dinner.
Heute geht es los! Die lange Anreise mit einem Aufenthalt in Buenos Airesund über Ushuaia hat ein Ende und die zerklüftete Küste der Falkland Inseln taucht vor uns auf. Früh am Morgen nähern wir uns New Island. Die wendigen Zodiacs bringen uns in eine kleine Bucht mit einem weißen feinen Sandstrand, welcher von einem pittoresken 40 Jahre alten Wrack. Mit Gummistiefeln und dicker Jacke machen wir uns im Gänsemarsch auf dem Weg zur anderen Seite der Insel, wo am Rande steiler Klippen tausende von Felsenpinguinen, Königskormoranen und Schwarzbrauenalbatrossen ihre Nester gebaut haben. Es ist ein einmaliges Erlebnis, sich ruhig auf einen Stein zu setzen,
und dem abwechslungsreichen Treiben in der Kolonie zuzuschauen: immer neue Felsenpinguine kommen die steile Bergflanke hinaufgeklettert und werden von ihren Artgenossen aggressiv angefaucht, sobald sie ihnen dabei zu nahe kommen und immer wieder kann man Kormorane dabei beobachten, wie sie neues Nistmaterial aus dem nahen Tussockgras herbeischaffen und den Schnabel voll Heu stolz ihrem Partner präsentieren.Zu dieserJahreszeit sind grade die ersten Pinguinkücken geschlüpft und mit etwas Glück erhascht man einen Blick auf die
kleinen Tierchen, die von ihren Eltern natürlich gut beschützt und versteckt werden. Wenn man später seine Fotos betrachtet kann man vielleicht sogar noch den Eizahn am Schnabel erkennen, mit dessen Hilfe sie erst vor kurzem die Eierschale von innen aufgestoßen haben. Auf dem Rückweg zur Anlandestelle passieren wir Großfamilien von langbeinigen Magellangänsen, die grasend ihres Weges ziehen. Bei strahlendem Wetter und weiter Sicht biegt die HANSEATIC am frühen Morgen nach der Passage der engen Narrows in den inneren Hafen von Stanley, der Hauptstadt der Falkland Inseln ein. Direkt neben dem Stadtzentrum gehen wir dann vor Anker gehen und haben nur einen kurzen Shuttleweg mit unseren Tendern zurückzulegen. Nach und nach beenden wir das Frühstück und machen uns auf den Weg in den Ort. Am Anleger werden wir bereits von den Lektoren erwartet, welche uns mit Stadtplänen und Auskünften versorgen. Zunächst spazieren wir die lange Ross Road entlang. Die Hauptstrasse führt vorbei an den viktorianischen Jubiläums-Villen, der hübschen Kirche mit pittoreskem Walkieferportal, an der Post mit der Philatelie-Abteilung, an Kriegsdenkmälern bis hin zum „Palast“ des Gouverneurs. Das neu errichtete und modern konzipierte Museum informiert über das Leben auf den Falklandinseln und ihre einzigartige Natur. Hier gibt es ausgestopfte Pinguine und Robbenschädel, Gesteinsproben und alte Sonntagskleider, einen ehemaligen Tante-Emma-Laden, eine original Antarktis Hütte und eine altertümliche Zahnarztpraxis. Der eine oder andere nutzt auch die Gelegenheit in dem urigen englischen Pub Globe Tavern ein Bierchen zu trinken oder eine Portion Fish and Chips zu sich zu nehmen. Manche steigen zu örtlichen Fahrern in geländegängige Jeeps und unternehmen Ausflüge zu nahegelegenen
Pinguinkolonien wie Gypsy Cove um noch etwas mehr von der örtlichen Tierwelt zu sehen.
Um 15:45 Uhr verlässt das letzte Boot den Ort und die HANSEATIC hebt den Anker um das geschützte Hafenbecken von Stanley zu verlassen und Kurs auf Südgeorgien zu nehmen.
Info FALKLAND INSELN:
Die unbewohnten Falklandinseln wurden vermutlich im Jahre 1592 vom englischen Seefahrer John Davis entdeckt. Die erste Siedlung wurde von Franzosen gegründet, später folgten britische, spanische und argentinische Kolonisten. Ab 1833 waren die Inseln eine britisch verwaltete Kolonie, auf der hauptsächlich Schafzucht betrieben wurde. Port Stanley war ein wichtiger Hafen für den Segelschiffsverkehr um Kap Hoorn. Die Argentinier beanspruchen die vor ihrer Küste gelegenen Insel für sich und versuchten sie 1982 zurückzuerobern, wurden aber von den britischen Streitkräften besiegt. Die Falkland Inseln haben rund 2.000 Einwohner.
Die Überfahrt von den Falklands nach Südgeorgien ist weit und führt über eines der rauesten Meere der Welt - nicht umsonst spricht man von den roaring fourties, furious fifties und screaming sixties. Aber unsere Passage ist angenehm und so können wir das Bordleben geniessen. Aber wir sollten dabei nicht nur dem Müßiggang frönen, denn die Experten erwarten uns in dem fensterlosen Dunkel der Darwin Hall. Ein Seetag bedeutet auf der HANSEATIC immer Bildungsprogramm, und so folgt ein spannender Vortrag dem nächsten, welche auch erfreulicherweise rege besucht werden. Um 10:15 Uhr startet dann der erste wissenschaftliche Vortrag des Tages. Unser Vogelexperte Dr. Rolf Schiel berichtet über die verschiedenen Seevögel in unserem Fahrtgebiet: Diese
Tiere haben im Unterschied zum gewöhnlichen Suppenhuhn oder Zaunkönig ein erstaunlich langes Leben - Albatrosse können 60 bis 80 Jahre oder sogar älter werden. Da sie ihr Leben überwiegend auf See verbringen, haben manche Arten spezielle Organe entwickelt, um Salzwasser trinken bzw. wieder ausscheiden zu können. Der Lektor stellt uns mit vielen Fotos die häufigsten Seevögel vor, sodaß wir bei der nächsten Vogelbeobachtung hoffentlich alle vorbeifliegenden Arten selbst bestimmen können ...
Um 11:30 Uhr folgt dann ein interessanter Workshop mit Peter von Sassen, der viele Jahre als Moderator und TV-Kameramann für den NDR tätig war, welcher uns über Blende, Verschlusszeit und andere kleine Geheimnisse der Fotografie aufklärt. Nach der Teestunde mit köstlichen frisch gebackenen Waffeln berichtet unsere Geologin Heike Fries unter dem Titel „Das eisige Dach des Ozeans“ über die Entstehung und den Aufbau von Südgeorgien: Als sich vor 30 Mio. Jahren die Drakepassage zu öffnen begann, wurde Südgeorgien von Südamerika abgerissen und in den stürmischen Atlantik hinausgetrieben. Heute kennzeichnen starke Westwinde und riesige Eisberge die topographische Lage. Schon während des Vortrags ist der Kapitän langsamer geworden, und nun können alle hinauskommen und noch ausgiebig die Orcas beobachten, welche sich um das Schiff
tummeln.

Fast 800 Seemeilen liegen mittlerweile zwischen den Falklands und Südgeorgien, sodass wir einige Zeit auf See verbringen müssen und auch den heutigen Tag noch für Vorträge zur Verfügung haben.
Als erstes gibt uns Sylvia Stevens einen interessanten Einblick in unser nächstes Reiseziel. Dazu zeigt sie viele Bilder von der beeindruckenden Landschaft Südgeorgiens und der vielfältigen Tierwelt, die vor allem von den Königs- und Goldschopfpinguinen geprägt wird. Aber es finden sich dort auch seltenere Vögel wie Schneesturmvogel, Taubensturmvogel oder Russalbatros. Als leidenschaftliche Naturschützerin berichtet sie aber natürlich auch von dem Raubbau, den der Mensch in den vergangenen zweihundert Jahren hier mit der Dezimierung von Pelzrobben, Seeelefanten und Walen getrieben hat. Es erscheint fast wie ein Wunder, dass dieses große Schlachthaus im Südatlantik heute wieder ein solches Tierparadies geworden ist.
Anschließend erklärt uns der Expeditionsleiter auf humorvolle Weise die 10 wichtigen Regeln, denen sich die in der IAATO zusammengeschlossenen Reiseveranstalter verpflichtet fühlen, um die
Natur der Antarktis mit ihren Besuchen nicht zu gefährden.
Heute erreichen wir Südgeorgien. Gegen 5:30 Uhr fährt die HANSEATIC in die breite Bay of Isles ein und sucht sich einen geschützten Ankerplatz. Es ist zwar etwas regnerisch, aber trotzdem möchte niemand den ersten direkten Eindruck von Südgeorgien verpassen, den wir nun hier in Salisbury Plain erhalten, wo wir in zwei Gruppen an Land gehen. Hier wimmelt es nur so
von Tieren. Gruppen von Pelzrobben und Königspinguine wechseln sich ab, marschieren durcheinander und wundern sich über unsere Ankunft. Weit erstrecken sich die flachen Ebenen ins Hinterland, wo große Gletscherzungen kläglich im Schotter zerschmelzen. Aber hier ist es jetzt vor allem der farbenprächtig Königspinguin, welcher bei der ersten Anlandung in Südgeorgien die Blicke und Kameralinsen auf sich zieht. In großen Gruppen spazieren sie hier am Strand entlang, immer neue werden ans Ufer gespült, rappeln sich aus den Brandungswellen auf und laufen dann über den Sand ins Trockene um ihr Gefieder zurechtzuzupfen. Den Hintergrund der Szenerie bildet eine tussockbewachsene Moräne deren steile Hänge von tausenden von Pinguinen überzogen sind, welche hier die zweitgrößte Kolonie in Südgeorgien gebildet haben. Hunderte brauner kaffeewärmergleicher Wonneproppen fiepsen nach ihren mit vollen Krillbäuchen heimkehrenden Eltern. Auf dem Rückweg können wir beim Landeplatz noch
in „Blondie“ beobachten, eine seltene weiße Farbvariante bei den Pelzrobben. Übermütig tollt es mit seinen dunklen Artgenossen, die schmutziggelblicheFärbung erinnert Arktisreisende an Eisbärfell. Zurück an Bord konnten wir nun erstmal gemütlich frühstücken, während die HANSEATIC zum Eingang der benachbarten Possession Bay fährt. Hier, wo vermutlich James Cook 1775
als erster Mensch seinen Fuß an Land setzte, wollten wir in der Bucht von Prince Olav Harbour eigentlich eine Zodiactour unternehmen. Aber der Wind ist zu kräftig, sodass dieser Ausflug nicht stattfinden kann und wir stattdessen gleich weiter in die Fortuna Bay fahren. Diese Bucht ist einigermaßen vom Wind geschützt, aber trotzdem verursacht der von See kommende Schwell eine hohe Brandung am Ufer. Nur in einer kleinen, etwas abseits gelegenen und durch Felsriffe geschützten Bucht ist eine Anlandung möglich. Auch hier wimmelt es wieder von Pelzrobben. Schon von weitem ist das durchdringende Geheule der Jungtiere zu vernehmen, die vor allem über akustische Signale von ihren heimkehrenden Müttern erkannt werden. Diese verbringen oft etliche Tage mit Beutezügen auf hoher See, bevor sie mit Krill vollgefressen an den Strand zurückkehren um nun ihr Junges zu säugen. Deshalb sieht man auch viele Jungtiere ganz allein wartend am Ufer. Wie üblich haben sich die Robben den Strand in typischer Weise aufgeteilt: etwa alle 10 Meter sitzt ein großes Männchen, umgeben von seinem etwa 10-köpfigen Harem samt zugehöriger Kinderschar. Man braucht etwa 20 Minuten um zur weit im Landesinneren gelegenen Pinguinkolonie zu gelangen. Der Weg führt durch kleine Bachläufe und über dichten grünen Rasen. Schließlich stehen wir wieder vor einer großen Ansammlung von Königspinguinen
inmitten einer grandiosen Landschaft. Hier wacht die Naturschützerin Sylvia Stevens mit lauter Stimme ganz besonders auf unsere Annäherung zu den Pinguinen. Immer wieder ermahnt sie uns, dass wir uns nicht näher als fünf Meter zu den neugierigen Königspinguinen bewegen dürfen. Später lobt sie uns, dass wir so diszipliniert gewesen wären und ihren Anweisungen sofort Folge geleistet hätten.
In einem abendlichen Precap informiert uns der Expeditionsleiter dann über die nächsten zwei Tage auf Südgeorgien. Es stehen noch viele verschiedene Anlandungen mit unterschiedlichen Aktivitäten auf dem Programm - was aber genau davon stattfinden kann entscheidet das Wetter, welches für die nächsten Tage leider nicht günstig aussieht. Die Nacht verbringen wir in der Cumberland Bay, um etwas Schutz vor dem zunehmenden Wind und den damit verbundenen hohen Wellen zu haben. In den frühen Morgenstunden steuern wir wieder auf die Fortuna Bay zu. Hier wird nungegen 8:00 Uhr eine Gruppe von etwa 30 Wanderern an Land gebracht, welche nun das letzte Stück von Shackletons berühmter Durchquerung Südgeorgiens nachwandern möchte. Zunächst müssen Sie sich durch die Pelzrobben hindurchkämpfen und anschließend einen recht steilen, grünen Hügel erklimmen. Von dort sieht man dann die HANSEATIC langsam davonfahren, welche die Wandergruppe dann in der nächsten Bucht wieder aufnehmen wird. Über weite Schotterebenen geht es dann bergan, bis bei etwa 300 Höhenmetern der Crean-Lake erreicht wird. Hier oben hat der Wind an Stärke zugelegt, man hat wenig Lust stehenzubleiben um die Landschaft zu genießen. Aber es geht noch einen Kilometer weiter, bis man schließlich auf der Passhöhe angekommen ist und nun einen grandiosen Blick hinunter ins Tal hat. Der Abstieg zum Shackleton-Wasserfall ist steil und rutschig, aber es gelangt doch jeder sicher nach unten. Nun führt der restliche Weg ganz eben durch das Flussbett zur Küste. Dort ankert bereits unser Schiff um die restlichen Gäste hier bei der Walfangstation Stromness an Land zu bringen. Diese Station wurde bis in die 60er Jahre betrieben, zum Schluss vor allem als Reparaturbetrieb für die vielen Walfangschiffe, weshalb neben den großen Gebäuden aus rostigem Wellblech viele maritime Ersatzteile wie Ketten und Schiffsschrauben herumliegen. Die Station darf allerdings aus Sicherheitsgründen nicht betreten werden - die südgeorgische Regierung hat extra große Warnschilder aufgestellt. Auch hier wimmelt es am Ufer wieder von Pelzrobben. Einem recht ebenen Pfad und den Lektoren folgend kann man hier auch noch einen Spaziergang bis zum Wasserfall unternehmen.
Nach dem Mittagessen fahren wir dann erneut in die Cumberland Bay ein und halten auf Grytviken zu. Vor der britischen Administrationssiedlung King Edward Point fällt dann der Anker um den zuständigen Einreisebeamten an Bord zu nehmen. Auch hier im fernen und so menschenleeren Südatlantik funktioniert zumindest die Bürokratie tadellos. Erst nachdem wir alle
notwendigen Zertifikate vorgelegt haben und der Beamte sein ok gegeben hat dürfen wir mit den Zodiacs an Land fahren. Zunächst besuchen wir den weiß umzäunten Friedhof mit dem Grab Shackletons. Hier hält der Kapitän eine kleine Rede und erinnert an die Führungsqualit.ten des berühmten Polarforschers, dem es immer gelang das Risiko klug abzuwägen und die ihm anvertrauten Männer wieder sicher nach Hause zu bringen. Anschließend führt uns der Weg dann durch die zumeist rostigen Überreste der einstigen Walfangstation. Das Museum in der ehemaligen Villa des Stationsverwalters widmet sich natürlich mit vielen interessanten Exponaten und Bildern vornehmlich der Geschichte des antarktischen Walfangs, andere Abteilungen behandeln aber auch die Polarforschung und die Natur dieser Insel. Der kleine Souvenirladen und das Postamt laden zum Shoppen und Versenden ferner Urlaubsgrüße ein. Etwas versteckt am Ortsrand steht die hübsche alte Kirche, in der unsere Künstlerinnen ein stimmungsvolles Konzert geben und unser Bordgeistlicher besinnliche Zeilen von Karl May zitiert. Vor 100 Jahren wurde die Kirche am Heiligabend 1913 zum ersten Mal benutzt, zu diesem Anlass ist sie im letzten Jahr umfangreich restauriert worden.

Die Nacht haben wir erneut in der Cumberland Bay verbracht, erst gegen 6:00 Uhr verlässt der Kapitän diesen geschützten Ort und fährt die Küste entlang nach Süden. Um kurz vor 9:00 Uhr fahren wir dann in die weite St. Andrews Bay ein. Während das Meer draußen recht bewegt und stürmisch war, bietet die Bucht trotz ihrer eigentlich recht exponierten Lage heute doch genug Schutz vor den Winden um die Zodiacs zu Wasser lassen zu können. Hier befindet sich nun die größte Königspinguinkolonie Südgeorgiens mit ca. 500.000 Tieren. Ein Hochwasser führender Gletscherfluss verhindert zwar eine nähere Inspektion der Brutkolonie, aber auch an seinen Ufern tummeln sich hunderte der farbenprächtigen Pinguine. Aber auch das Hinterland mit seinen Gletschern und spitzen Berggipfeln lohnt einen Blick. Bis zum Mittagessen haben wir viel Zeit für diesen Landgang. Nach einem 2-stündigen Abstecher auf die aufgewühlte See liegt schon bald der Bertrab Gletscher über der Bucht von Gold Harbour, die spitzen Berge sind im dunstigen Wetter aber kaum zu erkennen. Von der See steht wieder eine hohe Dünung auf den Strand, aber in der hintersten Ecke ist es auch hier etwas geschützter. Am Strand wimmelt es von Robben und Pinguinen, oben auf dem dunklen Sand liegt eine große Ansammlung von Seeelefanten. Dicht an dicht liegen deren große, plumpe Körper hier nebeneinander. Die Tiere vermitteln uns den Eindruck, als ob es eigentlich nichts großartigeres auf der Welt geben könne, als das Leben eines
Seeelefanten zu führen. Während die Pelzrobben ständig am rennen und kämpfen sind, und die Pinguine hart für die Aufzucht ihrer Jungen arbeiten müssen, liegen die Seeelefanten den ganzen Tag faul am Strand herum. Manchmal kratzen sie sich träge am feisten Bauch, schmeißen sich eine Flosse voll Sand über den Körper oder blinzeln uns aus großen Augen schläfrig an. Über der Kolonie schwebt ein strenger Geruch und ordinäre Geräusche erfüllen sorglos die Luft. Nur ab und an kommt Unruhe in die Gruppe, wenn eines derTiere die Lage seines Tonnengewichts verändern möchte oder schnaufend ein paar Meter vorrobbt. Die Männchen können einander eigentlich überhaupt nicht leiden, richten sich dann drohend hoch auf und fügen sichblutige Bisse am Hals zu. Auch der Seeelefant bekommt allerdings mal Hunger und muss dann zu langen Tauchgängen zwecks Nahrungssuche aufbrechenTatsächlich verbringt er den weitaus größten Teil seines Lebens im Wasser und nicht an Land. Anschließend marschieren wir über den Strand zur Kolonie der Königspinguine. Zwar haben wir auch an den Tagen zuvor schon etliche dieser schönen Vögel erblickt, doch hier stehen wir vor einer der schönsten der vieltausendköpfigen Brutkolonien. Hier ist kein weiteres Durchkommen, dicht an dicht stehen die Pinguine nebeneinander. Es lässt sich kaum abschätzen, wie viele Königspinguine hier vor uns stehen, das Gewimmel ihrer bunten Köpfe verliert sich in der Ferne. Viele Tiere haben ein Ei auf ihren Füßen liegen, welches jedoch unter einem Federwulst verborgen ist. Ab und an kommt ein vereinzeltes, schon fast ausgewachsenes Küken aus der Gruppe herausspaziert und bettelt seine Eltern um Futter an. Viele sind aber auch schon flügge und durchgemausert und kaum noch von den Altvögeln zu unterscheiden. Nun verlassen wir die Nordostseite Südgeorgiens und machen uns auf den Weg in die Antarktis. Aber um 21:00 Uhr lohnt es noch einmal hinaus an Deck zu kommen, denn nun haben wir einen großen Tafeleisberg erreicht, der vor etlichen Jahren von der Kante des Ross-Schelfeises abgebrochen und nun hier vor der Insel auf Grund gelaufen ist. Er hat noch immer eine beeindruckende Kantenlänge von ca. 25 km und vermittelt einen ungefähren Eindruck der 700 km langen Eisbarriere, an welcher schon Scott und Shackleton entlangfuhren ...

Info SÜDGEORGIEN
Vermutlich schon von einigen Seefahrern des 17. Jahrhunderts gesichtet, welche bei der Umrundung Kap Hoorns vom Kurs abgekommen waren, blieb es doch dem großen britischen Entdecker Kapitän Cook vorbehalten die Insel „offiziell“ zu entdecken, zu karthografieren und für das britische Königreich in Besitz zu
nehmen. Erste „Siedler“ kamen erst 1904, als der norwegische Kapitän C. A. Larsen die strategisch günstige Position der Insel erkannte und die erste Walfangstation in Grytviken gründete. Weitere sollten folgen und so
entwickelte sich Südgeorgien zum größten Walfangzentrum der Welt mit saisonal bis zu 3.000 Arbeitern, zumeist aus Norwegen. Der Walfang und die damit zusammenhängende Besiedelung endete in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Heute leben in den Sommermonaten etwa 10 Forscher und Verwaltungsangestellte auf Südgeorgien.
Info KÖNIGSPINGUIN
Der Königspinguin ist die zweitgrößte Pinguinart und kommt vor allem auf den subantarktischen Inseln vor. Er wird etwa 90 cm hoch und wiegt ungefähr 12 kg. Ein Königspinguin kann bis zu 20 Jahre alt werden. Die Pinguine leben von Fisch, Krill und Tintenfischen, welche sie oft weit entfernt von den Brutplätzen jagen. Sie können dafür 500 km weit schwimmen und bis zu 500 m tief tauchen. Mit ihrem komplizierten Brutzyklus ziehen sie normalerweise 2 Küken in 3 Jahren auf. Die Jungtiere benötigen ca. 12 Monate um ihr braunes Daunenkleid gegen das Erwachsenengefieder auszutauschen und flügge zu werden.

Weddell Meer 54°37´ W 61°10´ S 977 0 3 NNE 2
Am Morgen halten wir im Nebel auf Elephant Island zu. Selbst nur 500 Meter von der Küste entfernt können wir nicht viel von ihr erkennen. Der Kapitän manövriert uns mitten in Bucht hinein und allmählich lassen sich schemenhaft die Umrisse der Felsflanken und Gletscherkanten erahnen. Die ca. 45 km lange Insel ist die nordöstlichste der Südshetlandinseln und damit unser erster Anlauf in der Antarktis. Sie besteht aus schroffen Bergen und etlichen Gletschern, die Ufer sind größtenteils steil und abweisend. Für Shackleton und seine Männer gab es also keine große Auswahl an geeigneten Landeplätzen. Hier vor Point Wild wollten wir eigentlich eine kleine Rundfahrt mit den Zodiacs machen, die ersten Boote sind auch bald zu Wasser gelassen. Aber am Sidegate geht der Schwell der Dünung stark auf und ab, dies ist noch eine Erinnerung an das stürmische Wetter vor wenigen Tagen. So entscheidet der Kapitän zusammen mit dem Chiefmate, das die Situation zu riskant ist und sagt die Ausbootung ab. So bleibt uns nur der Blick vom Schiff aus, wobei wir auch sehen können, wie stark die Brandung an den Ufern für hoch aufspritzende Gischt sorgt. Die Kulisse ist spektakulär: schwarz türmen sich auf beiden Seiten die Felsformationen, in der Mitte befindet sich die hohe und zerklüftete Abbruchkante eines kleinen Gletschers. Die Sicht wird allmählich besser und ab und an kommen sogar blauer Himmel und Sonnenstrahlen hervor. Auf der linken Seite der Bucht können wir den Platz betrachten, an welchem Shackletons Männer monatelang während des grimmen antarktischen Winters auf Rettung hofften. Aus der angenehmen Wärme und Sicherheit der HANSEATIC schauend kann man sich jedoch wohl nur schwer in die Lage und Seelenqual dieser Männer hineinversetzen, die unter zwei umgedrehten Rettungsbooten hausten, von Pinguinfleisch lebten und darauf hofften, dass es ihrem „Boss“ gelingen würde mit einem kleinen Ruderboot hunderte von Meilen bis nach Südgeorgien zurückzulegen um Ihnen Hilfe zu organisieren. Wir wissen, dass er allen widrigen Umständen zum Trotz erfolgreich war. So ziert heute eine stolze Büste des chilenischen Kapitäns Pardo diesen Platz, da er nach erfolglosen Versuchen anderer derjenige war, der gemeinsam mit Shackleton auf seinem kleinen Schiff „Yelcho“ bis nach Elephant Island vordrang und die Männer aus ihrer misslichen Lage befreite. Nachdem wir Point Wild zur Genüge betrachtet und fotografiert haben fahren wir weiter in
Richtung Osten, umrunden das Kap Valentine und haben dabei das Glück in der Charles Strait Finnwale zu sichten, die wir eine Weile vom Schiff aus beobachten. Gegen 14:00 Uhr erreichen wir dann die Südspitze der Insel, Cape Lookout. Hier ist der Schwell am Sidegate nicht ganz so stark, sodass wir die Zodiacs zu Wasser lassen und hier eine Rundfahrt unternehmen. Die Küste
besteht hier aus stark zerklüfteten Phylliten, welche einst schichtartig abgelagert und verfestigt wurden, nun aber aufgefaltet in den Himmel ragen und oft bizarre Nadeln und schroffe Klippen bilden. Am rechts gelegenen Ufer brüten hunderte von Zügelpinguinen, dahinter öffnet sich eine weite Bucht mit einem hoch gelegenen Gletscher, der früher sicher einmal bis zur Küste reichte. Auf dem flachen Strandabschnitt ruhen sich jetzt etliche braune Seelefanten aus. Die Dünung sorgt an der engen Passage zwischen Elephant Island und der vorgelagerten Rowettinsel für wildwasserartige Zustände. Bald darauf umrunden wir die Insel und können in einer ebenfalls recht bewegten Bucht die einzige Kolonie von Goldschopfpinguinen in dieser Gegend erblicken. Die Brutplätze befinden sich hoch am schrägen Hang, aber auch unten an den wasserumtosten Klippen stehen etliche dieser farbenprächtigen Tiere und warten auf den richtigen Moment um sich in die Fluten zu stürzen. Zum fotografieren ist es heute wirklich zu wacklig in den Zodiacs, aber immerhin haben wir nun auch diese Pinguinart zu Gesicht bekommen. Die Rückfahrt zum Schiff findet nun gegen den Wind statt und wird eine recht holprige Angelegenheit … Dann entschwinden Elephant Island und das benachbarte Gibbs Island in der Ferne und sind bei der klaren Sicht noch lange achteraus zu sehen.

25. Dezember Erebus und Terror Golf
In den frühen Morgenstunden erreichen wir den Antarctic Sound, welcher sich nahezu eisfrei präsentiert. So entscheidet der Kapitän weiter nach Süden zu fahren, um zu sehen, wie weit das Fahrwasser offen ist. Auf den Eiskarten war noch eine dichte Bedeckung zu sehen, aber Wind und Strömungen verändern dies täglich. Als wir den Eingang zum Erebus und Terror Golf erreichen ist allerdings die Eiskante in der Ferne zu erkennen. In der Nähe erhebt sich die weithin sichtbare Felseninsel Rosamel, deren steile Flanken nahezu senkrecht aus dem Meer emporragen. Der britische Entdecker James Clark Ross war der erste, welcher diese Gewässer mit seinen Schiffen Erebus und Terror in der Mitte des 19. Jahrhunderts erkundete. Um 10:00 Uhr werden die Zodiacs zu Wasser gelassen und wir unternehmen eine interessante Ausfahrt durch die Eiswelt. Es geht fast kein Wind und sowohl die Eisberge als auch Rosamel spiegeln sich in dem klaren Wasser. Wir fahren hauptsächlich durch Schollen von Meereis, aber ab und an erheben sich auch höhere Eisblöcke, welche vermutlich Überreste großer Tafeleisberge sind. Während die frisch zugeschneiten Schollen meist weiß oder auch schmutziggelblich gefärbt sind, schillern die Eisberge in verschiedenen Blautönen. Ab und an wird ein Pinguin auf dem Eis gesichtet, sofort von mehreren Zodiacs umringt und hundertfach fotografiert. Während der Mittagszeit hat der Kapitän eifrig nach einer großen Eisscholle Ausschau gehalten und lässt sie nun von Chiefmate und Expeditionsleiter auf ihre Stabilität und Tragfähigkeit prüfen. Diese geben ihr ok und die Shoreparty hackt schnell eine Stufe in die hohe Eiskante. Um 14:15 Uhr betreten die ersten von uns die große Scholle und bekommen sofort vom Hoteldirektor ein Glas Sekt offeriert. Es liegt tiefer Schnee auf dem Eis, und ein Rundweg führt von Fähnchen zu Fähnchen, wo sich auch die Lektoren postiert haben. Es ist schon ein besonderes Gefühl hier am Rande des Weddellmeeres mitten im Treibeis wie dereinst Shackleton und andere Schiffbrüchige auf einer umhertreibenden Eisscholle zu stehen. Nach einer halben Stunde wechseln die Gruppen und die nächsten kommen aufs Eis. Aber das Eis steht nie still, Wind und Strömung verursachen eine ständige Bewegung und gegen 15:00 Uhr wird die Scholle vom umgebenden Treibeis eingeschlossen. Es ist für die Zodiacs unmöglich zum Schollenrand vorzustoßen, denn die Eisklumpen sind viel zu groß und nicht mehr beiseite zu schieben. Der Kapitän verkündet, das keine weiteren Gruppen aufs Eis gebracht werden können, weil die Landebedingungen zu ungünstig sind. Er konzentriert sich nun ganz darauf, die restlichen 40 Personen wieder an Bord zu bekommen. Dazu manövriert er den Bug der HANSEATIC ganz dicht an die Scholle heran und versucht mit dem Bugstrahlruder das lose Eis zur Seite zu wirbeln. Aber der Gürtel ist ca. 40 bis 50 Meter breit und öffnet sich nur sehr kurzfristig - zu kurz, als dass ein Zodiac schnell hindurchschlüpfen könnte. Nach einigen erfolglosen Versuchen muss an einer neuen Methode überlegt werden. So wird versucht mit dem Schiff längsseits an der Scholle anzulegen, aber der Abstand vom festen Eis zur Einstiegsluke ist mit 4 bis 5 Metern zu weit um überbrückt werden zu können. Schließlich wird eines der Tenderboote hinabgelassen und so weit wie möglich vom Schiff weg gehalten, sodass alle Schollenspaziergänger über eine Leiter einsteigen können und dann gegen 17:30 Uhr wieder an Bord gehievt werden. Auch wenn die zwei restlichen Gruppen nun heute nicht mit auf die Eisscholle gehen konnten, so verfolgten die meisten doch sehr interessiert das Geschehen unter ihnen.
Für den heutigen Vormittag ist eine Anlandung bei Brown Bluff geplant, aber wir haben Windstärken von 8 bis 9, sodass es hier nicht möglich ist, die Zodiacs in Wasser zu bringen. Schnell setzt unsere Kreuzfahrtdirektorin einen Vortrag aufs Programm und bald berichtet unser Biologe Dr. Schiel über den Krill. Diese kleinen Tierchen sind sozusagen die Grundlage allen höheren Lebens in der Antarktis und werden sowohl von Walen, Robben und auch Pinguinen verspeist. Der Krill sieht ähnlich aus wie die gewöhnliche Nordseekrabbe am Strand von Büsum, ist aber aufgrund seines hohen Fluorgehalts für den menschlichen Verzehr nicht geeignet. Wir fahren unterdessen weiter im Antarctic Sound hin und her, bewundern Eisberge im Schneetreiben und schauen, ob es an anderen Orten weniger stürmt. Aber das Wetter ändert sich kaum, nach dem Mittagessen berichtet deshalb Heinz Ahammer über verschiedene Antarktische Phänomene. Dabei geht es um so unterschiedliche Dinge wie Halos, welche durch Lichtbrechung in Eiskristallen in der Athmosphäre entstehen oder Polarlichter, welche es nicht nur im Norden, sondern natürlich auch hier unten am Südpol gibt.
Weiterhin steuert unser Kapitän interessante Eisberge an: Einer hat wunderschöne Verzierungen durch ganze Vorhänge von Eiszapfen, ein großer Tafeleisberg lockt die Fotografen mit wildem Schneetreiben, welches über seine Kante gepustet wird.
Nach dem Recap können wir während des Abendessens an den Gletscherkanten der Trinity Halbinsel wunderbar das Phänomen der katabatischen Winde beobachten. Der im Laufe des Tages frisch gefallene Schnee wird von den herabströmenden kalten Luftmassen weit hinaus aufs Meer gewirbelt, welches im abendlichen Gegenlicht ganz spektakulär aussieht. Da es aber trotz dieser Winde im allgemeinen etwas heller aussieht, beschließt der Kapitän noch einmal nach Brown Bluff zu fahren. Um 20:30 Uhr fällt hier der Anker und etwas später machen sich die Ersten auf eine nasse und kalte Überfahrt. Aber immerhin haben wir so die Chance heute doch noch einmal das Schiff zu verlassen und dabei sogar unseren Fuß auf den Antarktischen Kontinent zu stellen. Unsere Geologin Heike Fries steht neben skurril geformten Felsbrocken der „Braunen Kuppe“ und erklärt uns ihre Zusammensetzung aus gepresster Vulkanasche und Basaltbröckchen. Am Strand
spazieren unentwegt Adeliepinguine in kleinen Trupps entlang und nachdem wir etliche Eselpinguine passiert haben, stehen wir am Rande ihrer Kolonie. Die ersten haben hier schon Nachwuchs und wir können ab und an einen Blick auf die kleinen, schwarzbraunen Küken erhaschen. Um kurz vor 23:00 Uhr sind alle wieder an Bord.

27. Dezember 2014 Antarctic Sound
56°53´ W 63°22´ S 987 -1,5 -0,5 SW
Da es ja gestern den ganzen Tag über so stürmisch gewesen war, hatten wir die Hoffnung vielleicht doch offenes Wasser in Richtung Paulet Island antreffen zu können. Aber schon früh wird klar, dass das Meer auch weiterhin kurz hinter Rosamel von dichtem Packeis bedeckt ist. Wir versuchen beim D´Urville Monumet auf Joinville Island einen Landeplatz zu finden, aber auch hier verschließt ein dichter Eisgürtel die Küste. Doch es tauchen Orcas auf, denen wir eine Weile lang durchs Eis folgen. Es handelt sich um eine ganze Gruppe, die aus mindestens 10 Tieren besteht. Anschließend fahren wir noch einmal ins Eis der Weddellsee, besuchen große Tafeleisberge und halten Ausschau nach Pinguinen und Robben bevor wir Kinnes Cove im nördlichen Bereich von Joinville Island ansteuerten. Auch hier gab es eine Pinguinkolonie, aber auch hier gab es zuviel Eis und zuviel Wind. Nun fahren wir zur Südseite des Antarctic Sounds, da wir für den Nachmittag bei der argentinischen Station Esperanza in der Hope Bay angemeldet sind. Doch der Sturm kommt direkt vom Land, weiße Wogenkämme zeigen uns die Hoffnungslosigkeit unseres Vorhabens.
Wir funken die Station an, aber auch an Land stürmt es natürlich. Wir fahren dicht an die Küste heran und können gut die verschiedenen Gebäude an Land unterscheiden. Neben den größeren Komplexen wie Vorratslager, Werkstätten und Gemeinschaftsräumen gab es auch viele kleinere Häuser, in denen die Familien der Stationsmitarbeiter leben. Hier in Esperanza wurde das erste Kind in der Antarktis zur Welt gebracht, heute gibt es hier Schule und Kindergarten. Doch bei Windstärke 10 bis 11 können wir dies alles heute nicht aus der Nähe betrachten, sondern verlassen nun den windgepeitschten Antarctic Sound.

Wir sind jetzt in der Bransfieldstraße, der Wind hat etwas nachgelassen und die Sonne ist hervorgekommen. Imposante Eisberge treiben im Wasser und auch Wale lassen sich immer mal wieder blicken. Die HANSEATIC quert die Bransfieldstraße in nördlicher Richtung und erreicht gegen 19:30 Uhr Penguin Island. Wir hatten gehofft hier im Osten der Insel ein windgeschütztes Plätzchen zu finden, aber dafür ist Penguin Island heute zu klein. Also geht es weiter, und gegen 21:30 Uhr erreichen wir die Admirality Bay auf King George Island. 80 km mal 30 km misst die größte der Südshetland Inseln. King George Island ist fast völlig eisbedeckt. Dank der buchtenreichen Südküste wählten zahlreiche Länder King George Island als Basis für ihre ganzjährig besetzten Forschungsstationen und bildeten damit die größte Konzentration an Stationen der ganzen Antarktis. Nach dem Abendessen steuern wir die polnische Station Arctowski an. Wir haben die Station angefunkt und sie sind mit unserem späten Besuch einverstanden - zum Dank erhalten sie eine Kiste Ananas und deutsches Bier. Schnell werden zur Begrü.ung die polnische und die deutsche Flagge gehisst. Uns stehen zwei Wege zur Erkundung des Areals offen: Am Geröllstrand laufen wir in Richtung einer Adelie- Pinguinkolonie. Im Abendlicht sitzen zahlreiche Pinguine am Strand, putzen sich oder ruhen sich auf dem Bauch liegend aus. In die andere Richtung gelangen wir an einen Wegweiser (Berlin 14.133 km) neben dem Hauptgebäude und an ein recht komplettes Walskelett. Es handelt sich nicht um ein einziges Tier, sondern um gefundene Knochen zahlreicher Tiere, welche die Bewohner der Station seit der Gründung 1977 zu einem vollständigen Tier zusammengesetzt haben.
Benannt wurde Arctowski nach dem polnischen Polarforscher Henryk Arctowski (1871 bis 1958), der als Mitglied einer belgischen Expedition mit dem Schiff Belgica die Antarktis erkundete. Die Expedition gelangte zu einiger Berühmtheit, da sie im Winter 1898/99 unfreiwillig die erste Überwinterung im Südpolarmeer durchführte.
29.Dezember Halfmoon Bay
Heute morgen erreichen wir Halfmoon Island, welches östlich von Livingston Island in der Mc Farlane Strait liegt. Hier besuchen wir eine auf malerischen Felsklippen gelegene Zügelpinguinkolonie. Zwischen den Andesitpfeilern hocken die Tiere auf ihren Nestern aus Kieselsteinen. Manche brüten noch auf ihren Eiern, während die Küken bei anderen Familien bereits geschlüpft sind und manchmal unter ihren Eltern sichtbar werden. Die meisten nehmen anschließend an einem Spaziergang mit den Lektoren teil. Dabei sehen wir einige Robben und haben tolle Blicke auf die uns umgebende Landschaft: Hoch türmen sich die Berge der Livingston Insel und steil brechen die langen Kanten der vielen Gletscher am gegenüberliegenden Ufer ins Meer ab. Vor der unbesetzten argentinischen Station Camara erreichen wir wieder den Strand und werden mit den Zodiacs zurück an Bord gebracht. Über die Mittagszeit sind wir in südwestlicher Richtung auf der Bransfieldstraße unterwegs. Bald erblicken wir voraus einen als aktiv klassifizierten Vulkan: Deception Island. Unser Kapitän steuert das Schiff souverän durch den Engpass und kurz darauf befinden wir uns in der weiten, geschützten Bucht von Port Foster. Kein Wunder, dass die Walfänger diesen natürlichen Hafen zu schätzen wussten. Nicht umsonst heißt die rechterhand gelegene Bucht Whaler’s Bay, viele Walfangschiffe gingen dort zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor Anker. Heute lässt die HANSEATIC hier den Anker fallen. Ringsherum auf den Bergen liegt noch Schnee und läst die Strukturen der Landschaft grafisch hervortreten. Wir können hier am Strand entlang spazieren, dabei angeschwemmte Tangblätter finden oder in anderer Richtung zur alten norwegischen Walfangstation und den Überresten einer britischen Forschungsstation bis zum großen Flugzeughangar wandern, der hier 1961 errichtet wurde und heute einen der seltenen Indoor-Glacier beherbergt. Bei Vulkanausbrüchen Ende der 60er Jahre
wurden dann jedoch große Teile der Station zerstört, was zu ihrer Aufgabe führte. Besonders Mutige krönen ihren Besuch auf Deception mit einem Sprung in die kalten Fluten. Anschließend können sie sich am flachen Ufer in temperiertem Wasser wieder aufwärmen. Die hier befindlichen Fumarolen erhitzen das in den Boden eindringende Meerwasser auf über 50 Grad. Je nach Wasserstand und thermaler Aktivität fällt der Badespass von Mal zu mal anders aus. Zum Abschluss unseres Besuchs auf Deception drehen wir noch eine Runde in der Bucht und halten anschließend auf die Antarktische Halbinsel zu.
Am heutigen Morgen erreichen wir die Melchior Inseln, unser Ziel für den frühen Vormittag. Die Sonne strahlt bereits mit gleißendem Licht auf die mit Eiskappen bedeckten, flachen Inseln. Der Archipel besteht aus zahlreichen, ineinander verschachtelten Eilanden. Wir machen uns auf, das
Labyrinth bei Traumwetter zu entdecken und unternehmen bei blauem Himmel im Sonnenschein eine ausgedehnte Zodiactour, die uns zunächst zu einer verlassenen argentinischen Station und anschließend durch schmale Wasserwege zwischen den Inseln führt. Da den Polarforschern bei all den vielen Gletschern, Kaps und Wasserstraßen irgendwann die Phantasie ausgegangen ist oder ihnen wirklich niemand mehr einfiel, wurden die einzelnen Inseln hier ganz simpel nach den Buchstaben des griechischen Alphabets benannt. So kreuzen wir von Gamma zu Omega, haben aber auch einen Blick auf Eta, Lambda und Kappa - Pi und Theta liegen leider etwas im Abseits.
Auf der Gamma Insel befindet sich eine kleine argentinische Station, die momentan nicht besetzt ist und kaum unter den winterlichen Schneemassen heraus schaut. Von besonderem Interesse ist die Omega Insel. Im Jahre 2003 machte sich, genau wie wir heute, ein Hapag-Lloyd Zodiac der BREMEN mit Passagieren auf den Weg, die Kanäle zwischen den Inseln zu erkunden. Verblüfft stellte der Bootsführer fest, dass der Eisrückzug die Omega Insel kurzerhand in zwei Teile zerlegt hatte. Neugierig fuhren sie in den neuen Kanal hinein. Er war extrem flach, jedoch schafften sie die Passage. Stolz nannte man den neu entdeckten Seeweg nach dem Mutterschiff des Zodiacs - „Bremen Kanal“. Diese etwa 50 Meter lange neue Wasserstraße ist allerdings selbst bei Flut kaum mit einem Zodiac zu bewältigen, da zu viele Untiefen die Durchfahrt erschweren und damit für die internationale Schifffahrt nur von marginaler Bedeutung. Als wir von der Innenseite des Archipels in den Bremenkanal einfahren, sehen wir, dass noch Meereis den mittleren Bereich des Kanals bedeckt. Ca. 30 Weddellrobben räkeln sich wohlig in der Sonne zwischen hohen Eiswänden und warten schlafend darauf, dass der juckende Fellwechsel vorbei geht. Nach unserer Ausfahrt scheint noch immer die Sonne, schneebedeckt liegt Flandres Island vor uns und gewährt einen seltenen Blick auf Mount Francais, der mit ca. 2.800 Metern der höchste Berg in dieser Gegend ist. Während unserer Fahrt nach Süden sehen wir immer wieder Wale - unter anderem Orcas, welche Buckelwale verfolgen. Gegen 14:00 Uhr verlassen wir die Gerlache Straße und biegen nach Norden in den
Neumayer Kanal ein. Verborgen in einer geschützten Bucht liegt hier die ehemalige britische Forschungsstation Port Lockroy. Als „Base A“ spielte sie eine große Rolle als die Briten während des zweiten Weltkriegs die Antarktis vor deutschen Übergriffen sichern wollten und war bis in die 70er Jahre Ausgangspunkt vieler Schlittenexpeditionen. Heute wird sie nicht mehr von Wissenschaftlern benutzt, sondern dient als Museum. Der Antarctic Heritage Trust hat das Gebäude liebevoll restauriert und so können wir erneut einen authentischen Eindruck vom Leben der Forscher um 1950 gewinnen. In der Küche stapeln sich alte Konservendosen, im Funkraum sehen wir die einst moderne Technik und im Schlafraum können wir lange verborgene Kunstwerke bewundern, welche den Männern die langen Winternächte versüßt haben. Der Trust kümmert sich auch um noch weitere alte Hütten und finanziert sich über die Einnahmen, welche der angegliederte Souvenirladen und natürlich das Postamt erwirtschaften. Allzu viele Möglichkeiten gibt es ja nicht um in der Antarktis sein Geld loszuwerden, also stöbern alle lange in all den Büchern, Tassen, Aufnähern und T-Shirts, welche zwar einen stolzen Preis haben, aber ja immerhin einem guten Zweck dienen. Aber es gibt hier natürlich nicht nur das Stationsgebäude, sondern draußen auch noch jede Menge Pinguine, welche die Nähe der Menschen gewöhnt sind und sich hier wirklich aus allernächster Nähe beobachten und fotografieren lassen.
30. Dezember Paradiesbucht/Petermann Island

Bereits gestern am späten Abend sind wir in die ruhige Paradiesbucht hinein gefahren und lagen die ganze Nacht in diesem geschützten Naturhafen. Hohe, schneebedeckte Berge und Gletscher umgeben die Bucht, blaugrau schimmert das ruhig daliegende Meer. Aufgrund der geschützten Lage ist die See auch sonst oft ruhig, denn von allen Seiten wird sie von Bergen und Inseln umrahmt, sodass man kaum die Einfahrt erkennen kann. Die Ufer sind zumeist unzugänglich und bestehen größtenteils aus den steilen Abbruchkanten der unzähligen Gletscher, welche hier von den Bergen herabkommen. Überall dort, wo die Küste dann doch etwas flacher gestaltet ist, befinden sich kleine Pinguinkolonien. Diese Stellen sind natürlich auch die bevorzugten Bauplätze der politisch motivierten „Forschungs“-Stationen der Antarktis-Anrainer Chile und Argentinien. Die chilenische Basis „Gonzalez Videla“ befindet sich am nördlichen Ende der Bucht, während die argentinische Station „Almirante Brown“ zentraler gelegen ist. Seit der Stationsarzt 1984 etliche Gebäude niederbrannte war sie lange unbewohnt, in den letzten Jahren wird sie aber wieder instand gesetzt. Leider beginnen einige Argentinier ausgerechnet heute Morgen um 6:00 Uhr mit der Reparatur einer Antennenanlage und wollen uns deshalb nicht an Land sehen. Wir verhandeln etwas mit ihnen und beginnen zunächst mit einer Zodiacrundfahrt in der Bucht. Vorbei an der Station und brütenden Kormoranen geht es dann hinein in die eisige Welt. Wir umrunden bizarr geformte Eisberge, die aufgrund des diffusen Lichts in herrlichen Blautönen strahlen. Weiter geht es bis zum Gletscher, langsam fahren wir durch das eisbedeckte Wasser und genießen die eindrucksvolle Szenerie: Hoch türmen sich die aus einem engen Tal in die See vorstoßenden Eismassen, die bizarr zerklüftete Abbruchkante erfreut uns mit unterschiedlichsten Blaufärbungen, tiefen Gletschertoren und steil aufragenden, schon gefährlich schräg stehenden Türmen. Oft erscheint es wie ein Wunder, das die filigranen Bögen und Zinnen immer noch halten und nicht längst zusammengestürzt sind. Auf einer Scholle döst eine Weddellrobbe und lässt sich von den zahlreichen knatternden Zodiacs nicht im geringsten aus der Ruhe bringen. Da das viele Eis aus der Bucht mittlerweile vor den Landeplatz von Almirante Brown getrieben ist, haben die Argentinier ihre Landung abgebrochen, und auch wir verlassen die Paradiesbucht wieder und nehmen Kurs auf den Lemaire Kanal. Unterwegs werden wieder mehrere Wale gesichtet. Ein vermutlich vor sich hindösender Buckelwal dreht sich immer mal wieder um und lässt dabei seine Flipper laut aufs Wasser schlagen. Bei klarster Sicht können wir einen Blick auf die berühmten Doppelgipfel von Kap Renard werfen, dann geht es hinein in die immer enger werdende Wasserstraße, die zwar von viel Eis bedeckt ist, aber trotzdem passierbar ist. Auf den Schollen wimmelt es heute von Krabbenfresserrrobben. Auf der anderen Seite wartet schon die Petermann Insel auf uns, Expeditionsleitung und Lektoren sitzen bald in den Zodiacs und erkunden den Landeplatz. Nachdem wir an soliden Felsen ausgestiegen sind geht es bequem im Schnee weiter. Direkt am Landeplatz brüten etliche Eselpinguine; folgen wir dem ausgewiesenen Pfad nach rechts, so kommen wir bald zu den Kolonien von Adeliepinguinen und einigen Kormoranen. Stundenlang könnte man so vor den Tieren stehen und ihr emsiges Treiben beobachten. Manche brüten noch auf ihren Eiern, andere haben schon niedlichen, jungen Nachwuchs bekommen. Während sich die glücklichen Eltern so auf ihre Eier oder Kücken konzentrieren, sind die schäbigen Nachbarn damit beschäftigt ihnen das Leben schwer zu machen. Unermüdlich stehlen sie Kieselsteine aus den benachbarten Nestern um ihr eigenes Heim komfortabler zu gestalten. Die rechtmäßigen Eigentümer haben außer aggressivem Geschnatter und aufgerissenen Schnäbeln nicht viel zu bieten und müssen hilflos mit ansehen, wie ihr Prachtbau dahinschmilzt und das Nachbarnest immer größer wird.

31. Dezember Neko Harbour/Cuverville Island
Die Nacht über sind wir bei ruhigem Wetter die Gerlache Straße auf und ab gefahren, und auch dieser Tag beginnt so richtig sommerlich. Gegen 7:00 Uhr biegen wir in die Andvord Bay ein. Diese liegt gleich neben der Paradiesbucht und ist ebenfalls mit viel Eis und einigen bizarr geformten Eisbergen versehen. Fast überall ist sie von steilen Bergflanken oder hohen Eiskanten umgeben. Nur bei Neko Harbour bietet sich die Möglichkeit an einem schmalen Kiestrand an Land zu gehen. Natürlich haben sich auch hier die cleveren Pinguine angesiedelt und so können wir wieder das emsige Treiben in einer Eselpinguinkolonie beobachten. Viele setzen sich einfach für eine Weile auf einen der zahlreichen Steine und schauen den Pinguinen beim Baden und Plantschen zu. Über die Schneefelder am Hang kann man aber auch zu einem hoch gelegenen Aussichtspunkt wandern. Von hier haben wir dann einen tollen Blick auf die Abbruchkanten des benachbarten Gletschers. Nach dieser vormittäglichen Anlandung verlassen wir die Andvord Bay wieder und biegen in den landschaftlich reizvollen Errerakanal ein und können zu beiden Seiten des Schiffes fulminante Bergpanoramen und mächtige Gletscher betrachten. Auf dem Wasser schwimmen viele Eisberge und um uns herum zeigen sich wieder viele Wale. Nach dem Mittagessen werden erneut die Zodiacs klar gemacht und bald sind die ersten auf dem Weg zur dunklen Felseninsel Cuverville, die am Ausgang des Kanals liegt. Die Zodiacs bahnen sich ihren Weg durch die Eisberge und bringen uns zu einem weit geschwungenen Kiesstrand. Zwei Drittel der Insel sind mit einer permanenten Eiskappe versehen. Eselspinguine haben den steilen Hängen ihre unverwechselbare Note verliehen. Umrahmt von Gletschern und einigen Berggipfeln liegt eine ausgedehnte Kolonie von ca. 4500 Brutpaaren auf exponierten Felserhöhungen. Wir können von der Landestelle nach rechts oder links marschieren, teilweise müssen wir durch den Schnee oder über die Pinguinstrassen laufen, um die Brutkolonien zu erreichen. Hier sehen wir die aus kleinen Steinen erbauten Pinguinnester, die permanent ausgebaut und energisch vom brütenden Pinguin verteidigt werden. Immer wieder werden wir Zeuge, wie kleine Steinchen meist vom Nachbarn geklaut und durch die Kolonie zum eigenen Nest getragen werden - die typische Beschäftigung aller Pinguine. Noch sind keine Küken geschlüpft, aber ab und an erheben sich die sorgenden Eltern, drehen das Ei ein wenig in eine andere Position und setzen sich schnell wieder drauf, bevor die Kälte Schaden anrichten kann. Deutlich kann man die zartrosa Brutfalte erkennen, wo sich das Federkleid öffnet, damit die Körperwärme direkt an das Ei gelangen kann. Oben zwischen den Felsen brüten auch Skuas, die braunen Raubmöwen. Sie sind die Gesundheitspolizei der Kolonie und sorgen durch Aasbeseitigung für die nötige Hygiene. Durch die Gerlache Straße müssen wir jetzt wieder gen Norden fahren, treffen hier aber erneut auf viele Wale, welche augenscheinlich intensiv mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt sind und sich von uns nicht aus der Ruhe bringen lassen. Träge gleiten ihre massigen Körper dicht unter der Wasseroberfläche dahin, immer wieder nähern wir uns einigen der Tiere, welche hier kreuz und quer herumschwimmen. So können wir sie aus nächster Nähe beobachten, einen Blick auf ihre deutlich erkennbaren Nasenlöcher werfen oder auch die großen Warzen an ihrem Maul erkennen. Das schnaufende Geräusch beim Luft auspusten ist gut zu hören und scheint vom dröhnenden Resonanzvolumen wirklich aus großen Körpern oder tiefen Tiefen zu kommen. Wer den Blick in die Ferne schweifen lässt kann überall die Fontänen erkennen, welche von den Walen beim Atemholen ausgestoßen werden. Die Gegend ist wirklich voll von ihnen, schätzungsweise mindestens 50 Tiere sind hier auf Nahrungssuche. Dann müssen wir die Wale aber auch wieder verlassen und bereiten uns nun ein wenig auf den nahenden Jahreswechsel vor. Dazu versammeln wir uns in der mit Luftballons und Girlanden festlich geschmückten Explorer Lounge und sehen wie der legendäre Silvesterklassiker „Dinner for one“ hier nun live aufgeführt wird. Und nach dem Abendessen folgt natürlich die Silvesterparty mit Musik und Gesang der Bordkünstler. Um Mitternacht läutet dann die Schiffsglocke das neue Jahr ein.
1. Januar Aitcho Islands
Auch an Neujahr sind wir noch in der Antarktis und haben nun eine letzte Gelegenheit an Land zu gehen. Über Nacht haben wir uns wieder zu den Südshetland Inseln bewegt und befinden uns nun im unübersichtlichen Aitcho Archipel, der aus vielen kleinen Inseln besteht, welche alle vulkanischen Ursprungs sind. In einer kleinen Bucht geht es an Land. Natürlich treffen wir auch hier wieder auf das bekannte kleine Federvieh. Auf dieser Insel leben Eselpinguine und Zügelpinguine in trauter Nachbarschaft. Aber die einzelnen Kolonien sind natürlich fein säuberlich getrennt. Wir haben heute Morgen sehr viel Zeit an Land und können so in Ruhe am Strand entlang spazieren und von der Antarktis Abschied nehmen. Freundlicherweise klart das Wetter immer mehr auf und bald haben wir blauen Himmel und Sonnenschein. Zurück an Bord lockt auf dem Pooldeck die berühmte Pølserparty mit dänischen Hot Dogs. Von hier oben haben wir einen fantastischen Blick auf die labyrinthartige Inselwelt. An allen Seiten sehen wir Basaltformationen und skurril geformte Felszacken. Um 15:00 Uhr können wir dann in die Explorer Lounge kommen
und hier einen Blick durchs Mikroskop werfen. Unser Biologe Dr. Schiel hat vielfältige Algen und andere Kleinigkeiten gesammelt und zeigt uns nun Ruderfußkrebschen, Plankton und Krill. Am späten Nachmittag sind wir dann schon weit draußen auf der Drake Passage aber die HANSEATIC gleitet ganz ruhig dahin. Um 17:00 Uhr berichtet Sylvia über das Leben der Wale und Delfine. Neben den Pinguinen und Robben gehören sie ja zu den Tieren, die wir auf unserer Antarktisfahrt sehr oft zu Gesicht bekommen haben. Und so erfahren wir hier noch einmal, wie sich die Vorfahren der Wale vor Millionen von Jahren an ein Leben im Wasser anpassten, wie etwa das Blasloch im Laufe der „Nasalwanderung“ von der Nasenspitze an die Stirn wanderte. Die Lektorin stellt uns die verschiedenen Walarten vor, erläutert die gigantischen Dimensionen, Körperbau, Ernährungsgewohnheiten und Fortpflanzungsaspekte der riesigen Tiere. Aber sie berichtet auch über den Walfang, der im Laufe der Jahrhunderte die großen Meeressäuger fast ausgerottet hat.

2. Januar Drake Passage
Am Vormittag bekommen wir in der Explorer Lounge alle notwendigen Informationen für unsere Abreise aus Ushuaia. Gleichzeitig können auch noch letzte Fragen mit den Lektoren besprochen und die letzten Bilder für den Fotowettbewerb abgegeben werden. Um 11:30 Uhr berichtet dann Peter von Sassen über das dramatische Wettrennen zum Pol, welches sich der Norweger Roald Amundsen mit seinem Rivalen Robert Scott 1911/12 lieferte. Während die Skandinavier mit Skiern und Schlittenhunden unterwegs waren, setzten die Briten auf moderne Technik und „Manpower“. Amundsen arbeitete sehr effektiv und erreichte den Pol als erster, während bei Scott eine Verkettung von Fehlern und unglücklichen Umständen zum Scheitern der Expedition führte. Zwar erreichte er mit seinem Team den Südpol, aber keiner von Ihnen kam lebend zurück. Amundsen wurde der größte Polarfahrer aller Zeiten und Scott - zumindest in England - ein gefeierter Held, der mit größter Opferbereitschaft für sein Vaterland durch die Eiswüste marschiert war. Mit einem Abschiedscocktail verabschiedet sich dann am Abend der Kapitän mitsamt der Mannschaft von seinen Gästen. Dabei tritt zu später Stunde der HANSEATIC-Shantychor auf und erfreut mit Liedern aus dem Seemannsleben. Bei dieser Gelegenheit wird auch die außergewöhnlich hübsch gestaltete Seekarte mit unserer Fahrtroute zugunsten des South Georgia Heritage Trust versteigert.
4. Januar Ushuaia
Heute findet unser langes antarktisches Abenteuer ein Ende. Nach einem letzten ausgiebigen Frühstück verlassen wir gegen 8:00 Uhr die HANSEATIC, welche uns in den letzten Wochen zu einem liebgewordenen, gemütlichen Heim geworden ist. Eine kurze Bustour bringt uns von der Pier zum Flughafen von Ushuaia, welcher den stolzen Namen „Islas Malvinas“ trägt. Von hier geht es für die meisten dann über Buenos Aires zurück in die Heimat. Mit 24 Anlandungen/Zodiacoperationen haben wir trotz nicht immer günstigen Wetters einen umfassenden und vielfältigen Einblick in unser Fahrtgebiet gewinnen können. Wir sahen sechs bis sieben Pinguinarten, enorm viele Wale, dazu Robben und Seevögel. Wir wanderten durch Falklands Torfheiden, über Südgeorgiens Gebirgsschotter und auf antarktischen Schneefeldern. Mit den Zodiacs ging es stundenlang durchs Packeis, um Eisberge herum und nah an die verschiedensten Tiere heran. Wir hatten starke Stürme in Südgeorgien, bittere Minusgrade im Antarctic Sound und später Sommerwetter an der Antarktischen Halbinsel -
Viermal im Jahr fährt die MS Hanseatic im antarktischen Sommer zur Terra Inkognita hinaus mit jeweils rund 160 Passagieren. 20 000 Besucher bringen die Kreuzfahrtschiffe jedes Jahr in das letzte Naturparadies. Bleibt zu hoffen, dass die touristische Eroberung sich noch lange in Grenzen hält und jeder Staat sich in der Verantwortung sieht die Einzigartigkeit der Antarktis zu schützen.